Tagung „Das Welandus-/Heinrichsreliquiar im Louvre – ein Hauptwerk sächsischer Emailkunst des ausgehenden 12. Jahrhunderts unter interdisziplinären Aspekten“

Das Welandus-/Heinrichsreliquiar im Louvre – ein Hauptwerk sächsischer Emailkunst des ausgehenden 12. Jahrhunderts unter interdisziplinären Aspekten
Studientag, 17./18.2.2017
Ort: Dombibliothek Hildesheim, Domhof 30, 31134 Hildesheim.
Veranstalter: Kunsthistorisches Institut Kiel

welandus

Das Reliquiar Kaiser Heinrichs II. steht seit dem Ankauf durch den Louvre im Jahr 1858 im Zentrum des Interesses zahlreicher Fachbeiträge. Nach knapp 160 Jahren und im Einklang mit zunehmend interdisziplinären Methoden bietet das emaillierte Reliquiar ein  ungewöhnlich geeignetes Exempel für ein forschungshistorisches Resümee. Dem widmet sich im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts „Objekte und Eliten“ ein interdisziplinär und international besetzter Studientag.
Die erste Sektion soll am 17. Februar die geisteswissenschaftlichen und materialtechnischen Voraussetzungen resümieren und in den aktuellen Forschungsdiskurs überführen. Dabei wird das Reliquiar in seiner Qualität und Provenienz gewürdigt, die monastischen Stiftungsumstände werden untersucht, die kürzlich wiedergefundenen Reliquien- und Textilinhalte in ihrer historischen und technischen Dimension erörtert, und der epigraphische Befund analysiert.
Die zweite Sektion ist vorrangig als Round-Table-Gespräch konzipiert. Im Rahmen des Kieler Teilprojekts zu Hildesheimer Emailwerkstätten des 12./13. Jahrhunderts wurden vergleichende Analysen an zahlreichen weit verstreuten Email-Objekten durchgeführt. Die Leitfrage ist, ob sich für diese Emailobjekte naturwissenschaftlich-technologisch Charakteristika nachweisen lassen, die eine lokaltypische Produktionsweise belegen, also: ob sich spezifische Techniken, Handelsbedingungen oder Mischungsverhältnisse in den Glaskomponenten erkennen lassen, die sich eklatant von den für Rhein-Maasländische und Limousiner Emails typischen Herstellungsmerkmalen unterscheiden. Das diskutieren u.a. die Chemikerin Isabelle Biron, die das Heinrichsreliquiar umfassend untersucht hat, die für das BMBF-Projekt tätigen Chemiker der Universität Hannover, und die langjährig mit Limousiner und Rheinischen Emails befassten Fachspezialisten des Rathgen-Forschungslabors und Kunstgewerbemuseums Berlin.
Zeitpunkt und Forschungsstand sind hervorragend für einen solchen Vorstoß geeignet, weil mit heutigen nicht-invasiven Analysemethoden gerade durch die beteiligten Chemiker erst-mals richtungsweisende Ergebnisse für die Hildesheimer Emails, wie auch für Referenzgruppen (Rhein-Maasländische und Limousiner Emails) vorliegen.

Veranstalter & Kontakt: Dorothee Kemper, Kunsthistorisches Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Förderer: Stiftung Niedersachsen

Die Teilnahme ist kostenfrei!
Begrenzte Teilnehmerzahl!
Anmeldung (bis 5.2.2017): welandus@objekte-und-eliten.de

 

Programm

Freitag, 17.2.2017
14.00 Begrüßung
14.30 Jannic Durand (Paris, Louvre): Le reliquaire de saint Henri et ses reliques.
15.00 Michael Brandt (Hildesheim): Marginalien. Randbemerkungen zum sogenann-ten Welandusreliquiar.
15.30 Regula Schorta (Riggisberg, Abegg-Stiftung): Zu den mittelalterlichen Textilien aus dem Welandus-Reliquiar.
Kaffeepause
16.30 Hedwig Röckelein (Göttingen, Universität): Bemerkungen zu einigen Heiligen im Welandus-Reliquiar.
17.00 Martina Giese (Potsdam, Universität): Stiftungen und Memorialpflege im Michaelskloster im 12. Jahrhundert.
17.30 Clemens M. M. Bayer (Bonn / Lüttich): Bemerkungen und Fragen zum Welandus-Reliquiar: Bilder und Inschriften, Gerätetyp und Verwendung.
18.00 Resümee

Samstag, 18.2.
10.00 Isabelle Biron (Paris, C2RMF – UMR 8247): Technical and analytical study on the Saint Henri / Welandus reliquary – comparison with mosan / rhenan enamels.
10.20 Daniel Fellenger / Robert Lehmann (Hannover, Institut für Anorganische Chemie der Leibniz Universität): p-RFA-Analysen an den Hildesheimer Emails.
10.40 Lothar Lambacher (Berlin, Kunstgewerbemuseum), Stefan Röhrs (Berlin, Rathgen-Forschungslabor): Micro X-ray mappings und andere Material-analysen an Grubenschmelzen des 12. und 13. Jahrhunderts.
11.00 Round-Table: Zusammenfassung der Analyse-Ergebnisse unter Einbeziehung der geisteswissenschaftlichen und technologischen Untersuchungsergebnisse.
12.00 Abschlussdiskussion / Synthese