Teilprojekt 3:

Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei von St. Michael in Hildesheim vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters

Kunsthistorisches Institut, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Leitung und Bearbeitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck


Ev_Kg_St_Michaelis 025Das Teilprojekt untersucht die berühmte Holzdecke von St. Michael, mit der die hochmittelalterlichen Arbeiten, die nach der Heiligsprechung des hier begrabenen Stifters, Bischof Bernward (amtierte 993-1022), nötig wurden, im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts zu einem ersten Ende kamen. Sie trägt die größte Darstellung der Wurzel Jesse, einem neuen, erst im Hochmittelalter auftretenden Thema, das die gesamte Heilsgeschichte in einem vielteiligen Schemabild zusammenfasst. Sie wird vor dem Hintergrund des sich im 12. und 13. Jahrhundert rasch entwickelnden Bildverständnis bzw. der Bildpraxis der Hildesheimer Klerikereliten untersucht, bei dem diese Schemabilder aus den Schulbetrieb auch in den liturgischen Raum wechseln konnten, der im konkreten Fall von St. Michael stark mit in die Analyse der Holzdecke mit einbezogen wird. Hintergrund ist der mit einem Interesse am Visuellen einhergehende, ordnende scholastische Zugriff auf theologisch geformte Wissensbestände, die in großen Bildsummen wie der Holzdecke arrangiert wurden. Eine sehr enge Verzahnung ergibt sich mit Teilprojekt 2 zur Monumentalmalerei im Dom, da hier im 12. Jahrhundert Strukturen und Prinzipien sowie in der Kapelle im Westbau auch die monumentale Darstellung der Wurzel Jesse als Deckengestaltung vorbereitet wurden.