Typen mittelalterlicher Reliquiare zwischen Innovation und Tradition – Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 22.10.2016

Studientag des Kunsthistorischen Instituts der Christian Albrechts-Universität am 22. Oktober 2016 in Kiel

plakat_mittelalt-reliquiare_28-09-16_monheimDie frühen Typen mittelalterlicher Reliquiare als oft kostbare Gefäße und Hüllen für die  verehrten Reliquien gehen auf vorchristliche und/oder profane Verwahrformen zurück. In karolingischer Zeit fand parallel zur Aufwertung und Verbreitung von Körperreliquien eine
typologische Kanonisierung der Reliquiare statt, die das Mittelalter seitdem prägte. Sie steht im Zusammenhang mit einer zunehmenden liturgischen Einbindung von Reliquiaren, was weniger Auswirkungen auf die Reliquieninhalte als auf die Formen der Reliquiare hatte. Als die Reliquiarkunst im 12./13. Jahrhundert mit den Großschreinen, der Aufwertung von Tragaltären und der Ausweitung der Kirchenschätze ihren Höhepunkt erlebte, setzte sich die Reliquiarformen oft dezidiert mit der Tradition älterer Typenbildungen auseinander. Erst die Visualisierung des Reliquieninhaltes, die seit dem 13. Jahrhundert zum Allgemeingut wurde, wie auch die architektonisierende Gestaltung vieler Reliquiare brachte im 13./14. Jahrhundert neue Typen hervor, die das frühmittelalterliche Erbe hinter sich ließen.
Die kunsthistorische Forschung hat vor allem in Joseph Braun S.J. (1857–1947) die bis heute weitgehend gültige Typisierung mittelalterlicher Reliquiare nach äußeren Formen gefunden. Davon ungeachtet sind die Typen, bei denen Braun aus der äußeren Form der
Reliquiare Bezüge zur geborgenen Reliquie herstellen wollte (so bei den „Redenden Reliquiaren“), in den letzten beiden Jahrzehnten stark in die inhaltliche Diskussion gekommen. Vor allem die Bildlichkeits-Diskurse haben hier zu einer veränderten Wahrnehmung medialer Aspekte geführt.
Der Studientag, der in Kooperation mit dem BMBF-Forschungsprojekt „Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim 1130 bis 1250“ und dem Collegium Philosophicum vom Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität am 22. Oktober 2016 veranstaltet wird (Otto-Hahn-Hörsaal, Otto-Hahn-Platz 2, 24118 Kiel) möchte anhand unterschiedlicher Reliquiare und Reliquiarformen Fragen zur Formierung
und Tradierung von Reliquiartypen mit einem Schwerpunkt im 12./13. Jahrhundert kritisch diskutieren.
Der Studientag ist dezidiert als Tagung für den wissenschaftlichen Nachwuchs angelegt, der im Kreis einiger ausgesuchter, ausgewiesener Kollegen durch Vorträge und eine Posterausstellung Forschungsfragen zur Diskussion stellen soll.

Programm
Otto-Hahn-Hörsaal, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Otto-Hahn-Platz 2, 24118 Kiel

10.00 Uhr
Klaus Gereon Beuckers, Kiel: Begrüßung und Einführung

10.30 Uhr
Kirstin Mannhardt, Trier: Das Hildesheimer Bursenreliquiar und der Typus der mittelalterlichen Reliquienbursen

11.15 Uhr
Holger A. Klein, New York: Das Apostel-Armreliquiar aus dem Welfenschatz in Cleveland und der Typus der Armreliquiare

12.30 Uhr
Dorothee Kemper, Bonn: Reliquiartypen des 12. Jahrhunderts an Beispielen aus dem Hildesheimer Domschatz

13.15 Uhr
Mittagspause

14.30 Uhr
Julia Ulrike Gaus, Tübingen: Das Hildesheimer Enkolpion und seine byzantinischen Vorbilder

15.15 Uhr
Daniela Kaufmann, Essen: Das Kreuznagelreliquiar im Essener Domschatz – ein Tafelreliquiar?

16.00 Uhr
Wolfgang Schmid, Trier: Die Kreuzreliquiare in Trier und Mettlach und ihre Stifterbilder

Weitere Forschungsprojekte werden in einer Posterausstellung im Foyer
präsentiert.

Tagungssektion 19. September 2016: Objekte und Objekthaftigkeit in der Hildesheimer Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts

Die „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft“ ist eine der ältesten deut­schen Wissenschaftsgesellschaften mit Sitz in Bonn. Sie hat sich zum Ziel ge­setzt, in Bewahrung ihres im katholischen Glauben wurzelnden Gründungsauf­tra­ges wissenschaftliches Leben auf den verschiedenen Fachgebieten anzuregen und zu fördern und die Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch zu bieten. Die 119. Generalversammlung der Görres-Gesellschaft findet dieses Jahr vom 17.09.-20.09. in Hildeheim statt.

Sektion für Kunstgeschichte
der 119. Generalversammlung der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft in Hildesheim, 17.09.–20.09.2016

Programmauszug

-Samstag, 17. September 2016, VHS, Riedelsaal, Pfaffenstieg 4-5

18.00 Uhr           Einführungsvortrag von Prof. Dr. Michael Brandt, Hildesheim: Columna S. Barwardi. Kunst und Kult im hochmittelalterlíchen Hildesheim

-Sonntag, 18. September 2016

14.00 Uhr bzw. 14.30 Uhr/15.30 Uhr: Führungen durch St. Michael bzw. den Hildesheimer Dom bzw. das Dommuseum Hildesheim

ab 19.30 Uhr: Treffen der Sektion Kunstgeschichte im Os-Marktrestaurant, Am Markt 7, 31134 Hildesheim

Sektion für Kunstgeschichte 

-Montag, 19. Sept. 2016, Universität Hildesheim, Raum I 010

Rahmenthema: „Objekte und Objekthaftigkeit in der Hildesheimer Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts“

9.00 Uhr              Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Bonn:

Einführung

9.15 Uhr              Dr. Dorothee Kemper, Kiel: Künstlerische Strategien zur Verdinglichung des Heiligen am Beispiel Hildesheimer Reliquiare des 12. Jahrhunderts

10.00 Uhr           Prof. Dr. Klaus Niehr, Osnabrück: Verhüllen und Öffnen. Zum Klappaltärchen aus dem Welfenschatz

10.45 Uhr           Pause

11.00 Uhr           Dr. des. Joanna Olchawa, Osnabrück: „Handlungsmacht“ und Hildesheimer Bronze-Objekte des Hochmittelalters. Ein praxeologischer Forschungsansatz

11.45 Uhr           Dr. des. Esther-Luisa Schuster, Bonn, Nadia Thalguter M.A., Hildesheim: „Das verlorene Objekt“. Neue Forschungen zur Wandmalerei im Westbau des Hildesheimer Doms

12.30 Uhr           Mittagspause

14.00 Uhr           Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Osnabrück: Bemerkungen zum Hildesheimer Oswald-Reliquiar aus historischer Sicht

14.45 Uhr           Kaffeepause

15.00 Uhr           Dr. Florian Wöller, München: Bild, Leib, Objekt. Bemerkungen zur Liturgie der Eucharistie im Spätmittelalter


Gesamtprogramm, Anmeldung und weitere Informationen unter www.goerres-gesellschaft.de

Anmeldungen zur Teilnahme an der Generalversammlung bitten wir möglichst um­­gehend, spätestens bis Ende August 2016 vorzunehmen.

Der Besuch der Vorträge ist unentgeltlich. Bei­ratssitzung und Mitgliederver­samm­lung sind nur Mitgliedern zugänglich.

 

Call for Papers: Objekte und Eliten – Neue Forschungen zur Kunstproduktion im 12. und 13. Jahrhundert in ihrem intellektuellen Kontext / Objects und Elites – New Research on Artistic Production of the 12th and 13th Centuries and its Intellectual Context

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München, 19. – 21.05.2017
Eingabeschluss: 15.08.2016

In den vergangenen Jahrzehnten ist die interdisziplinäre Erforschung der mittelalterlichen  Kunst zunehmend in den Vordergrund gerückt, scheitert aber oft an den unterschiedlichen Fragestellungen, Schwerpunkten und Herangehensweisen der verschiedenen Fachgebiete. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderte Verbundprojekt “Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130-1250“, an dem neben dem Dommuseum Hildesheim die Universitäten Bonn, Kiel, Osnabrück und Potsdam beteiligt sind, widmet sich seit April 2015 exemplarisch diesem Desiderat. Das Projekt geht am Beispiel von Hildesheim davon aus, dass kulturelle, geistesgeschichtliche und theologische Voraussetzungen des 12. und 13. Jahrhunderts ihren visuellen Niederschlag in einer besonderen, in den Kunstobjekten greifbaren Bilderwelt fanden. Die Objekte werden dementsprechend als Reflexe gesellschaftlicher Konfigurationen, als Exponenten der materiellen Kultur mit einer definierten Position innerhalb der religiösen Praktiken und ästhetischen Vorstellungen des hohen Mittelalters verstanden.
In Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte sollen im Rahmen der Tagung die vom Projekt ausgehenden Fragestellungen und Themen in einem europäischen Kontext diskutiert werden: Besonders willkommen sind deshalb Vorschläge zur Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts, die den kirchlichen, monastischen, städtischen und technisch-materiellen Kontext im Hinblick auf Auftragsvergabe, Herstellung und liturgischer Nutzung ausloten. Fragestellungen können zum Beispiel sein, welche Trägerschichten künstlerischen Schaffens in Frage kommen und/oder als Zielgruppen angesprochen werden sollten, welche Beziehungen es zwischen den Objekten und den Bildungsverhältnissen gibt. Oder inwiefern die intellektuellen Neuorientierungen im Bereich von Bildung und Schule dieser Zeit auch zu einer neuen künstlerischen Qualität führten. Von besonderem Interesse sind Beiträge, in denen nach den Umformungen künstlerischer Traditionen unter dem Einfluss der neuen theologischen und liturgischen Notwendigkeiten der Zeit gefragt wird.
Eine zeitnahe Publikation der Beiträge ist geplant.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge von maximal einer Seite mit einem Lebenslauf bis zum 15. August 2016 an:
info@objekte-und-eliten.de

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While interdisciplinary research on medieval art has been increasingly moving into the center in recent decades, it often fails because of distinct questions, priorities and approaches of each discipline. The research project “Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130-1250“, which is funded by the German “Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF“, and a collaboration of the Dommuseum Hildesheim with the universities of Bonn, Kiel, Osnabrück and Potsdam, is addressing this desideratum. By taking Hildesheim as an example the project explores how culture, ideas and theology of the 12th and 13th centuries are visually reflected in artistic objects. Works of art are seen in relation to social configurations, as exponents of material culture with a defined position within religious practices and aesthetic ideas of the high middle ages.
This conference in collaboration with the Zentralinstitut für Kunstgeschichte in Munich would like to discuss these topics based on the project and set them into a larger European context: Thus proposals on 12th and 13th century art which explore the ecclesiastical, monastic, civic, material and technical context with regard to commissioning, production, and liturgical use are particularly welcome.
Papers could explore the leading classes of artistic donors, or the intended target audiences. What were the relations between objects and educational standards? How did the intellectual reorientation in the field of education and schools of this period lead to a new artistic quality? And how was artistic tradition transformed under the influence of new theological and liturgical trends of the time.
A publication of the papers is intended.

Please send your proposal of max. one page with your CV until August 15, 2016 to:
info@objekte-und-eliten.de

Drachenlandung – Ein neu erworbenes Aquamanile des 12. Jahrhunderts im Dommuseum Hildesheim

TAGUNG – – Hildesheim, 17. – 18.06.2016


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Freitag, 17. Juni 2016 – 16.00–18.00 Uhr

Begrüßung

MICHAEL BRANDT, HILDESHEIM: Made in Hildesheim? Überlegungen zur
niedersächsischen Bronzekunst des 12. Jahrhunderts

JOANNA OLCHAWA, OSNABRÜCK: Das neu erworbene Aquamanile in Hildesheim.
Gegenstandssicherung und Bedeutung


Samstag, 18. Juni 2016 – 9.00–10.30 Uhr

HILTRUD WESTERMANN-ANGERHAUSEN, KÖLN: Bronze im System der Schedula
diversarum Artium und als Werkstoff für Kirche, Kloster, Haus und Hof

SARA KUEHN, LONDON: On the Iconographic Theme and the Cross-Cultural
Diffusion of the „Senmurv“
Diskussion/Kaffeepause

11.00–13.00 Uhr

HARALD WOLTER-VON DEM KNESEBECK, BONN: Drache, Löwe, Reiter.
Überlegungen zur Deutbarkeit der zahlenmäßig dominierenden
Aquamanilientypen des Hochmittelalters

KLAUS NIEHR, OSNABRÜCK: Aquamanilien und Fin de Siècle
Diskussion/Zusammenfassung

Tagungsort: Dommuseum Hildesheim, Joseph-Godehard-Saal

Teilnahme frei, aber Anmeldung erforderlich!
Anmeldeschluss 12. Juni 2016

Kontakt: Dommuseum Hildesheim Domhof 18–21 31134 Hildesheim
Telefon 05121 307-760
dommuseum@bistum-hildesheim.de