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Dom und Klosterkirche St. Michael in Hildesheim – seit 1985 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes – sind herausragende Zentren mittelalterlicher Kultur und Geschichte. Mit ihrer vorhandenen oder erschließbaren Ausstattung zählen sie zu den wenigen erhaltenen exemplarischen Gesamtkunstwerken des 10.–13. Jahrhunderts überhaupt, die die Aufmerksamkeit der kunsthistorischen wie der historischen Fachwelt schon seit langem auf sich gezogen haben. Dabei sind unter den Kunstobjekten alle Gattungen und verschiedenartige Materialien mit zahlreichen höchstrangigen Beispielen vertreten, aber auch – repräsentativ über alle Qualitätsstufen verteilt – eine im Querschnitt beispielhafte Gesamtüberlieferung. Geistliche und weltliche Eliten des Bistums und der Stadt bildeten ein Milieu, das für die Entstehung dieser Stücke verantwortlich war. Schriftquellen in einer großen Dichte bezeugen die Bemühungen um historische Selbstvergewisserung, die liturgische und geistliche Praxis, das Totengedenken und zahlreiche Rechtsgeschäfte unterschiedlichster Art, sie geben auch Einblick in eine Institution wie die Domschule. Angesichts dieser ungewöhnlichen, in der Breite der dinglichen wie schriftlichen Überlieferung des 12. und 13. Jahrhunderts einmaligen Kombination von verschiedensten Quellenarten ist ein Verbundvorhaben mehrerer Fachdisziplinen die geradezu zwingende Folge, um auf einer breiten, multidisziplinären Basis Fragestellungen zu erproben und so unsere Kenntnisse auf eine neue Grundlage zu stellen. Resultate des Forschungsprojektes sollen für ähnliche Überlieferungssituationen mittelalterlicher Kunst und Kultur anschlussfähig sein. Insofern handelt es sich um ein Modellprojekt mit Leitbildcharakter.